New Stars of Data: Der ehrliche Guide für angehende Data-Speaker

Screenshot einer Sessionize-Zusage-E-Mail von New Stars of Data #10 für Karin Szilágyi mit dem Session-Titel „Is this Real-Time? Or is this just Fantasy?“ und einem grünen Button zur Teilnahmebestätigung.
TL;DR — Auf einen Blick
  • Was ist New Stars of Data (NSOD)? Ein kostenloses, virtuelles Event via Microsoft Teams (initiiert von Ben Weissman und William Durkin) speziell für Erstredner im Microsoft Data Platform-Bereich.
  • PASS Summit: NSOD-Sprecher qualifizieren sich für die Bewerbung für “New Stars”-Speaker-Slots beim globalen PASS Data Community Summit in Seattle.
  • Abstract schreiben: Reiche Entwürfe erst nach 1–2 Wochen Bedenkzeit über Sessionize ein und verspreche nur, was du garantiert umsetzen kannst (verwende z.B. “wir vergleichen” statt “Benchmarks”).
  • Mentoring: Jeder Speaker wird mit einem erfahrenen Mentor gematcht. Plane von Beginn an feste, proaktive Check-ins ein, statt Probleme allein lösen zu wollen.
  • Vorbereitung: Teste deine Session vorab bei User Groups (wie der Microsoft Fabric & Power BI User Group Austria), analysiere Füllwörter mit Tools wie yoodli.ai und bereite dich technisch auf einen „Minimalbetrieb“ bei Hardware-Ausfällen vor.

Ich bin eigentlich eher der Typ Fangirl. Bei Konferenzen stehe ich meistens irgendwo am Rand und bewundere die Sprecher, und wenn ich nach einem Vortrag noch ein paar Worte mit jemandem wechseln konnte, war das schon ein Highlight. Jetzt habe ich mich aber entschieden, die Seiten zu wechseln, weshalb ich mich Ende 2025 für New Stars of Data als Sprecherin beworben habe.

Dieser Beitrag richtet sich an alle, die beim nächsten New Stars of Data oder sonstigen Call for Speakers selbst dabei sein und sich möglichst gut darauf vorbereiten möchten.

Was ist New Stars of Data?

New Stars of Data ist ein kostenloses, virtuelles Online-Event von Ben Weissman und William Durkin (DataGrillen), das ausschließlich für Erstredner im Microsoft Data Platform-Bereich gedacht ist. Die Teilnahmevoraussetzung ist bewusst niedrigschwellig: Wer noch nie bei einem größeren, öffentlichen Event gesprochen hat, ist dabei. User Groups oder sonstige Meetups zählen hierbei nicht, was ich persönlich gut finde, da man somit schon auf kleineren Bühnen testen kann, ob einem das öffentliche Sprechen überhaupt liegt.

Jeder akzeptierte Sprecher bekommt einen erfahrenen Speaker als Mentor zugeteilt. Das Event findet aktuell einmal jährlich (früher zweimal jährlich) remote statt, dauert einen Tag und besteht aus 60-minütigen Sessions in zwei parallelen Tracks. Das Format ist ein Teams-Call: Du präsentierst, die Zuhörer sind stummgeschaltet und Fragen kommen über den Chat bzw. werden über den Raum-Moderator vorgelesen. Für einen ersten öffentlichen Auftritt ist das ein sehr angenehmes Setting, weil viele der klassischen Nervenfaktoren (Saaltechnik, Blickkontakt, Raumgröße) einfach wegfallen.

Ein Bonus am Rande: Als NSOD-Sprecher qualifizierst du dich dafür, dich für die New Stars of Data Slots beim PASS Summit in Seattle zu bewerben. Das ist eine separate Bewerbung mit separaten Voraussetzungen, aber die Tür steht dir damit offen.

Das Thema finden

Die Themenfindung war für mich die größte Herausforderung, und ich vermute, dass das bei den meisten so ist.

Was ich empfehlen würde: Schau dir gezielt die Programme vergangener Konferenzen an (FabCon, Data Saturdays, Data Community Days), einerseits für Inspiration, falls du noch kein konkretes Thema hast, und andererseits, um einzuordnen, ob eine Idee, die du vielleicht schon im Kopf hast, tatsächlich für einen 60-minütigen Vortrag taugt. Wenn es zu einem ähnlichen Thema bereits mehrere Sessions gibt, kannst du dir anschauen, wie andere Sprecher den Stoff strukturiert und abgegrenzt haben, was oft hilfreicher ist, als von einer leeren Seite anzufangen.

Überlege außerdem schon früh, ob du eine Demo oder zumindest konkrete Beispiele einbauen kannst. Reine Theoriesessions funktionieren, aber Sessions, in denen man etwas live sieht oder klare Vorher-Nachher-Vergleiche hat, bleiben erfahrungsgemäß besser im Gedächtnis.

Mein eigenes Thema habe ich beim Kochen gefunden. Ich hörte nebenbei Musik und mir kam plötzlich der Satz “Is this Real-Time? Or is this just Fantasy?” in den Kopf, was sich direkt in eine konkrete Frage übersetzte: Was zählt in Microsoft Fabric eigentlich noch als Real-Time Intelligence, und wo ist der Unterschied zu Mirroring oder Shortcuts, die beide auch versprechen, Daten in (fast) Echtzeit verfügbar zu machen? Ein guter Titel ist oft der Ausgangspunkt für eine gute Frage, und eine gute Frage ist fast immer ein gutes Session-Konzept.

Ein Nebeneffekt, den ich unterschätzt habe: Ich hatte zum Thema RTI damals wenig praktische Projekterfahrung. Die Sessionvorbereitung wurde dadurch zu einer der intensivsten Weiterbildungsphasen, die ich in letzter Zeit hatte, weil ich mir automatisch genau die Fragen stellte, die auch mein Publikum stellen würde.

Das Abstract schreiben

Meine ersten Abstract-Versuche waren fürchterlich. Ich habe meine Ideen in drei verschiedene LLMs geworfen und versucht, aus den besten Sätzen irgendetwas zusammenzuwürfeln, das sich nach Konferenz-Abstract anfühlt. Das Ergebnis war entsprechend – überladen mit Queen-Referenzen, Plattitüden und großartigen Versprechen, die ich unmöglich alle einlösen konnte.

Zwei Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte:

  • Lass dein Abstract 1–2 Wochen liegen, bevor du es einreichst. Was sich heute nach dem besten Text der Welt anfühlt, wirkt nach zwei Wochen Abstand oft deutlich nüchterner. Wenn es dir dann immer noch gefällt, ist es vermutlich in Ordnung.
  • Versprich nur, was du tatsächlich liefern kannst. Ich hatte explizit Latenzmessungen versprochen und Direct Lake als Teil meiner End-to-End-Lösung erwähnt. Beides hat sich während der Umsetzung als problematisch herausgestellt: Da Shortcuts die Daten nur an ihrer Quelle referenzieren und nicht kopieren, hat sich Latenzmessung als deutlich weniger trivial herausgestellt als gedacht, und Direct Lake hat schlussendlich gar keine große Rolle in meinem Vortrag gespielt, da ich meine Demo aufgrund der aktuell verfügbaren Konnektoren doch mit Direct Query Mode gebaut habe. Ich habe dann Stunden damit verbracht, ein Versprechen einzulösen, das für die eigentliche Kernaussage meiner Session gar nicht so kritisch war. Mit einer etwas vageren Formulierung im Abstract wäre das komplett vermeidbar gewesen.

Geh vor der Einreichung dein Abstract nochmal durch und frag dich bei jedem konkreten Versprechen: “Kann ich das wirklich garantieren?” Wenn nicht, formuliere es offener, z.B. “Vergleich der Ansätze” statt “Benchmarks”.

Sessionize, Zu- und Absagen

Screenshot des Sessionize-Dashboards von Karin Szilágyi für New Stars of Data #10 mit der Bestätigung für die Session „Is this Real-Time? Or is this just Fantasy?“ am 8. Mai 2026 in William's Room.

Die Einreichung läuft über Sessionize und ist unkompliziert: Profil anlegen (falls noch nicht vorhanden), Event suchen, Formular ausfüllen, absenden. Dein Sprecher-Profil mit Bio und eingereichten Sessions bleibt gespeichert und lässt sich für weitere Bewerbungen wiederverwenden, was praktisch ist, wenn man sich bei mehreren Events gleichzeitig bewirbt.

Was viele nicht wissen: Nach einer Zusage hat man nur wenige Werktage Zeit, die Teilnahme über Sessionize zu bestätigen. Wenn man nicht reagiert, gehen die Organisatoren eventuell davon aus, dass kein Interesse mehr besteht, und vergeben den Platz anderweitig. Manche Events schicken ein oder zwei Erinnerungsmails, andere Events zögern nicht lange. Es zahlt sich daher aus, nach dem Ende des Call for Speakers täglich auch den Spam-Ordner deiner für die Bewerbung verwendeten Mail zu prüfen.

Eine Absage ist auch nicht automatisch das letzte Wort. Viele Sprecher bewerben sich parallel für mehrere Events, die sich zeitlich überschneiden können. Wenn jemand absagt, rückt üblicherweise jemand von der Absage- oder Warteliste nach. Ich habe beim Data Saturday Croatia 2026 zunächst eine Absage bekommen und einige Tage später die Frage, ob ich doch noch Interesse hätte.

Mentoring

Das Mentoring ist das Herzstück von NSOD. In meinem Fall war es ein glücklicher Zufall: Nikola Ilic war Sprecher bei unserer User Group, ich bat ihn um Feedback zu meinem Abstract und er bot sich direkt als Mentor an, was mich natürlich sehr gefreut hat.

Ich musste daher nur seinen Namen im entsprechenden Feld der Sessionize-Bewerbung eintragen und wurde dann automatisch mit ihm gematcht. Ich würde aber unbedingt empfehlen, mit der Wunschperson vorher kurz Kontakt aufzunehmen, bevor man einen Namen einträgt.

Rückblickend war ich zu zurückhaltend damit, Nikola einzubeziehen. Besonders in der Phase, in der ich wochenlang nach einer guten Demo-Idee gesucht habe und dabei fast in eine Schockstarre verfallen wäre, hätte ich mich auf ihn als Mentor verlassen sollen. Stattdessen habe ich mir gedacht, dass das ein Problem ist, das ich selbst lösen muss. Als Senior Consultant, der normalerweise eher andere coacht als selbst Coaching annimmt, ist das vermutlich ein nachvollziehbarer Reflex, der in diesem Kontext aber eher schadet als nützt. Wenn du feststeckst, schreib deinem Mentor. Genau dafür ist das Programm da!

Plane am besten von Anfang an regelmäßige Check-ins mit deinem Mentor ein und warte nicht, bis ein Problem groß genug ist, um es anzusprechen. Wie intensiv die Zusammenarbeit letztendlich ausfällt, bleibt jedem Paar selbst überlassen. Ich hätte die Unterstützung definitiv aktiver in Anspruch nehmen sollen. Leg die falsche Scheu ab und hol dir die Hilfe, für die das Programm gedacht ist.

Vorbereitung auf deinen ersten Vortrag

Ich spreche sehr schnell, besonders wenn ich aufgeregt bin. Um mich selbst etwas auszubremsen, habe ich daher meine Folien so kleinteilig animiert, dass jeder neue Gedanke einen eigenen Klick brauchte. Dieser Klick erzwingt eine kurze Pause und gibt dem Publikum Zeit, das Gezeigte zu verarbeiten. Das Einstellen all dieser Animationen in der richtigen Reihenfolge und das wiederholte Testen haben deutlich länger gedauert, als ich erwartet hatte, während der Session war es aber ein guter Rettungsanker.

Was ich außerdem empfehlen würde: Teste deine Session vorher bei einer lokalen oder remoten User Group. Das Feedback ist fast immer wertvoller als der zehnte Probedurchlauf allein vor dem Laptop. Ich durfte meine Session netterweise bei der „Groningen Microsoft Data Meetup-groep“ remote präsentieren, wobei ich von den Organisatoren (Reitse Eskens und Ynte Jan Kundersman) sehr hilfreiches und detailliertes Feedback bekam.

Wer (wie ich) lieber frei präsentiert, statt ein ausformuliertes Skript auswendig zu lernen, sollte trotzdem zumindest die ersten paar Minuten der Session mit einem mentalen Skript einüben, damit der Einstieg immer sitzt. Das hilft auch enorm, wenn man direkt vor dem Vortrag mit unerwarteten Problemen kämpft: Sobald es losgeht, kann man sich daran wie an einem Anker festhalten und kommt schnell in den Rhythmus. Für Inspiration, welche Art von Einstieg einem persönlich liegt, lohnt sich ein Blick auf vergangene NSOD-Sessions auf dem DataGrillen-YouTube-Channel.

Eine Stunde vor meiner Session hat mein Laptop plötzlich beide externen Monitore nicht mehr erkannt. Ich habe die Zeit vor meinem ersten öffentlichen Auftritt daher nicht wie geplant mit Durchatmen, letzten Reviews und Entspannungsübungen verbracht, sondern mit hektischem Kabeltauschen und einem Beinahe-Nervenzusammenbruch. Am Ende konnte ich zumindest einen der beiden Monitore zum Laufen bringen, was aber trotzdem nicht mein gewohntes Set-up aus den Probedurchläufen war. Das Learning daraus: Bereite dich auf den Minimalbetrieb vor. Dein Vortrag muss auch funktionieren, wenn dein zweiter Bildschirm schwarz bleibt oder deine Demo nur als aufgezeichnetes Video existiert.

Tipp:

Nach meiner Session habe ich yoodli.ai entdeckt. Yoodli ist eine Website, bei der man Präsentationsaufzeichnungen hochladen und von einer KI auswerten lassen kann. Das Tool zeigt klar, an welchen Bereichen man arbeiten muss, inklusive Eigenheiten, die man selbst nicht bemerkt. In meinem Fall: 23 % aller Sätze meiner New Stars of Data Session haben mit “So,…” begonnen. Ich wünschte, ich hätte das Tool vorher gefunden! (Kein Sponsored Content – ich finde die Seite einfach wirklich gut)

Der Tag selbst

Die genauen Informationen zu deinem Slot und dem zugewiesenen Track bekommst du rechtzeitig vorab per E-Mail, sie sind aber auch direkt in Sessionize einsehbar. Am Tag des Events solltest du dich etwa zehn bis fünfzehn Minuten vor dem Start in den entsprechenden Teams-Call einwählen. Diese Zeit ist wichtig, um mit dem Raum-Moderator die letzten Details abzustimmen: Wie wird dein Name korrekt ausgesprochen? Möchtest du Fragen lieber direkt zwischendurch oder gesammelt am Ende beantworten? Wie sieht der Ablauf generell aus? Nach einer kurzen Anmoderation startest du dann direkt in deine Präsentation. Dabei ist deine Kamera eingeschaltet, während das Publikum mit ausgeschaltetem Video und stummgeschaltetem Mikrofon virtuell im Raum sitzt.

Eine Session dauert 60 Minuten, danach gibt es 15 Minuten Pause. Ich empfehle, den Vortrag inklusive Demo (falls vorhanden) auf ca. 50–55 Minuten Laufzeit zu planen, damit am Ende genügend Zeit für eine entspannte Fragerunde bleibt. Den Chat musst du währenddessen nicht selbst im Auge behalten. Der Raum-Moderator überwacht die Nachrichten und meldet sich bei dir, sobald eine Frage reinkommt, genauso, wie ihr es vorab vereinbart habt.

Ein wichtiger Punkt zum Schluss betrifft das Feedback: Bei NSOD läuft die Bewertung nicht über das klassische Sessionize-Formular, das man von vielen anderen Events kennt, sondern über ein eigenes System der Organisatoren. Ich hatte den Sessionize-QR-Code bereits in meine Abschlussfolie eingebaut und wurde am Ende meiner Session davon überrascht, dass dieser gar nicht verwendet werden soll. Falls du also einen Feedback-Link in deine Präsentation integrieren möchtest, lohnt es sich, ein paar Tage vorher kurz bei den Organisatoren nachzufragen, welches Formular aktuell genutzt wird.

Würde ich es wieder tun?

Karin Szilágyi lächelt vor Zimmerpflanzen im Hintergrund und trägt ein graues New Stars of Data Poloshirt nach ihrer erfolgreichen Konferenz-Session.

Ohne jede Frage, ja.

Trotz der wochenlangen Suche nach einer Demo-Idee und des akuten Herzinfarkt-Risikos durch streikende Monitore eine Stunde vor Start: Die Erfahrung war jeden schlaflosen Moment wert. Ich habe definitiv Blut geleckt und mich bereits für die nächsten Events beworben.

Wenn du einmal erlebst, wie viel du in so kurzer Zeit über dein eigenes Fachgebiet lernst und wie dankbar die Community für geteiltes Wissen ist, willst du so schnell nicht mehr zurück auf die reine Zuschauerbank.

Falls du noch Fragen zur Bewerbung bei NSOD hast oder unsicher bist, ob es das richtige Event für dich ist, melde dich gerne.

Und falls du bis zum nächsten Call for Speakers noch etwas Zeit hast und testen möchtest, ob öffentliches Sprechen etwas für dich ist: Eine lokale oder online User Group ist dafür der ideale Einstieg. Der Druck ist deutlich geringer als bei einer Konferenz, das Publikum ist wohlwollend und das Feedback oft sehr gut. Bei der Microsoft Fabric & Power BI User Group Austria freuen wir uns immer über neue Sprecher, egal ob du ein ausgereiftes Thema mitbringst oder noch in der Findungsphase bist. Wir helfen auch gerne bei der Themenfindung und Vorbereitung. Und falls du geografisch nicht in der Nähe bist: Es gibt eine Vielzahl von Online-User Groups, die genau das Gleiche bieten.